Die Berufsschulabsolventen 2020

Meller Kreisblatt / cf [17.07.2020] Corona-Prüfungen an BBS Melle: Manche Fachschüler mussten früher ran

Die Prüfungen für die jungen Leute an den Berufsbildenden Schulen (BBS) Melle standen im Corona-Jahr unter ganz besonderen Vorzeichen. Ein Rückblick sowie die Übersicht mit allen Absolventen.

Foto: Ch. Franken – Fröhliche Gesichter nach Abschluss aller Prüfungen an der BBS in Melle haben die Mitglieder des Leitungskollegiums Heinrich Buermann, Roland Cramer, Hermann Krüssel, Elke-Petra Voss und Markus Schöning (von links).

Fachschüler aus dem Bereich Sozial- und Heilpädagogik absolvierten ihre Prüfungen sechs Wochen früher als geplant, um Kitas und Krippen zur Verfügung zu stehen. IHK-Abschlussprüfungen finden dagegen deutlich später statt. Und die coronabedingten Restriktionen führten zu erheblichem Mehraufwand in der Organisation von Prüfungen.

Dennoch sind Schulleiter Hermann Krüssel sowie die Abteilungsleiter Elke-Petra Voss (Sozial- und Heilpädagogik), Heinrich Buermann (Metall-, Fahrzeug- und Elektrotechnik), Roland Cramer (Bau- und Holztechnik, Hauswirtschaft, Berufseinstiegsschulen) und Markus Schöning (stv. Leíter der Abteilung Wirtschaft/Verwaltung, Gesundheit und Pflege) guter Dinge: „Es gab auch viel Licht in schweren Zeiten“, betonte Krüssel.

Er nannte insbesondere zwei Punkte. So sei wegen der Pandemie die Digitalisierung vorangetrieben worden und beispielsweise bei der pädagogischen Fortbildung wurden Apps erfolgreich eingesetzt. Die Fragestellung habe gelautet: Was machen wir jetzt pädagogisch anders? Auch seien andere Gestaltungsformen von Unterricht notwendig geworden. „Aber: Präsenz kann nicht ersetzt werden“, machte der Schulleiter deutlich. Unterricht sei eben viel mehr als reine Wissensvermittlung. Werbung

Den zweiten Punkt beschrieb Krüssel als „gesunde Selbstführung“. Gerade in Krisenzeiten sei es wichtig, mit einer guten und optimistischen Einstellung als wichtiger persönlichen Ressource in den Tag zu gehen. Das setze auch im beruflichen Umfeld Zeichen.

„Gemeinsam an einem Strang gezogen“

Das scheint an der BBS zu gelingen, denn trotz der zusätzlichen Herausforderungen ist die Stimmung im Führungsteam gut. „Wir Lehrer an der BBS sind halt Praktiker und haben alle gemeinsam an einem Strang gezogen“, war sich die Runde einig. Cramer berichtete, das bei Wiederanlaufen des Unterrichts die Abteilungsleiter ausgeschwärmt seien, um Masken und Desinfektionsmittel zu besorgen. „Der Landkreis war zu dem Zeitpunkt nicht in der Lage, das so schnell zu besorgen“. In den BBS-Werkstätten entstanden innerhalb von zwei Tagen die Trennwände für das Sekretariat. Prüfungen hätten trotz notwendiger Zweiteilung der Klassen auf  maximal 15 Schüler planmäßig laufen können, weil andere Kollegen mit eingesprungen seien. Sogenannte ältere „Risikokollegen“ hätten Unterrichtssequenzen mit Videos vorbereitet. So zeigt ein Video beispielsweise den speziellen Schnitt einer Bohle an der Kreissäge. „Das alles spricht für unser Kollegium“, hob Cramer unter dem Nicken seiner Kollegen hervor. 

In seinen technischen Bereichen hätten zudem auch die Betriebe mitgezogen und allesamt ihre Auszubildenden für zwei Berufsschultage freigestellt. „Nur so konnten wir verlorene Unterrichtszeit wettmachen, denn die Prüfungsanforderungen blieben ja gleich“, erklärte der Studiendirektor. Nachdem der fachpraktische Unterreicht als „wichtige Stütze“ zunächst verloren schien, habe das Kultusministerium dann doch den einzelnen Schulen die Gefährdungsabschätzung überlassen. Das sei hilfreich gewesen.

Eine fehlende Abschiedskultur

Elke Petra-Voss bedauerte das plötzliche praktische Ausbildungsende ihrer Schüler und Schülerinnen in den Kindergärten und Krippen, als die wegen der Pandemie völlig geschlossen wurden. „Leider konnte es da keine Abschiedskultur geben“, bedauerte sie. Für die Berufsfachschule in ihrem Bereich gab es zudem keine mündlichen Prüfungen. „Stattdessen haben wir auf Colloquien und schriftliche Ausarbeitungen gesetzt“, erläuterte die Abteilungsleiterin. Die jungen Leute hätten dann in Form einer Power-Point-Präsentation vorgestellt, was sie im konkreten Fall getan hätten. „Trotzdem war das natürlich nicht das echte Leben.“ 

„Die Fachschüler mussten wir auf Wunsch von Kultusminister Tonne schon zum 3. Juni entlassen, weil Fachkräfte wegen der hohen Nachfrage bei der Kinderbetreuung fehlten“, sagte Elke-Petra Voss. Die jungen Leute hätten da aber schon ihre praktische Prüfung absolviert und die schriftlichen Prüfungen fanden unter Sonderregeln statt.

„Effektivität des Unterrichts hat gelitten“

Für Abteilungsleiter Heinrich Buermann und seinen Bereich gab es dagegen keinen Zwang, den Unterricht zu komprimieren. „Die meisten haben eine dreijährige Ausbildungszeit und die Hauptprüfungen für sie finden in den Monaten Dezember und Januar statt“, berichtete er. Aber wegen der Abstandsregeln mussten auch dort alle Klassen mit mehr als 15 Schülern geteilt werden. Daher fand der Unterricht dann in 14-tägigem Rhythmus statt. „Die Effektivität des Unterrichts hat dadurch gelitten, das ist nicht zu bestreiten“, bedauerte Buermann. Die Klasse 12 der Fachoberschule mit 20 Schülern habe ebenfalls geteilt werden müssen. „Sie wurden daher in zwei Räumen parallel unterrichtet.“ 

Markus Schöning wies für seine Abteilung darauf hin, dass die jungen Leute bei der digitalen Kommunikation unterstützt worden sind, weil ihnen die BBS kostenlose Zugänge zu multimedialen Portalen besorgte. „So konnten sie sich besser auf die Abschlussprüfungen vorbereiten.“ Das Homeschooling habe im übrigen gut funktioniert. Die Tatsache, dass die meisten der 40 Kollegen in seiner Abteilung jünger sind und deswegen eine höhere Affinität zur eingesetzten Technik haben, sei da sehr hilfreich gewesen. „Homeschooling ersetzt aber nicht den Präsenzunterricht vor Ort“, hob auch Schöning hervor. 

Allein 30 Lehrer als Aufsichten im Einsatz

Als besondere Herausforderung nannte er die IHK-Prüfung für 100 Prüflinge am selben Tag in einem Raum unter Einhaltung aller Corona-Regeln. Allein 30 Lehrer seien da als Aufsichten im Einsatz gewesen. 

Schulleiter Hermann Krüssel lobte die Solidarität in Corona-Zeiten an der BBS. Es habe für die neuen digitalen Möglichkeiten viel Zuspruch gegeben und alle hätten zusätzliches Potential entwickelt. Das ganze sei vom Kollegium zudem mit Humor und Optimismus angepackt worden. „Im Lehrerzimmer herrschte nie schlechte Laune und es wurde wie vorher auch oft gelacht“, freute sich Krüssel. 

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